Und wir wurden nicht enttäuscht!
Um in den Sigtunafjord einzufahren mussten wir die stündliche Öffnungszeit einer Brücke abpassen. Pünktlich bogen wir um die Ecke, Andreas funkte und erhielt ein „yes we‘ll open just now, have a good journey“ Simsalabin die Brücke drehte sich und wir schipperten ein in den Fjord. Eine gemütliche Strecke. Im Hafen fanden wir eine der grünen, als frei gekennzeichneten Boxen mit Premiumsicht, festgemacht und wegen allzu großer Hitze, knapp 30 Grad, den sonst üblichen Orientierungsrundwalk auf später verschoben. Sigtuna ist die älteste Stadt Schwedens, sie soll um 970 entstanden sein und war vor über 1000 Jahren wichtiges Handels-und Machtzentrum. Und alt ist das Örtchen tatsächlich wie wir uns nach einer kleinen Siesta überzeugen konnten. In den bunten Holzhäuschen an der über 1000 Jahre alten Stora Gatan finden sich kleine Geschäfte, Boutiquen, eine fantastische Bäckerei und zahlreiche Restaurants. Eine malerische Einkaufsstraße, für die man keine Stunden braucht. Von ihr zweigen verwinkelte Gässchen ab, deren Häuschen teilweise alte Handwerksbetriebe beherbergen, oder auch bewohnt sind. Ein feines Museum erzählt die Geschichte des Städtchens und zeigt zur Zeit eine Kunstausstellung zum Thema ‚Individualität‘. Die nächsten Tage vergrößerten wir unseren Radius, und ließen uns ein wenig von der Geschichte und Vergangenheit Sigtunas einfangen.
Auf unserer ‚Da-wollen-wir-hin‘ Liste stand Uppsala ganz oben. Die Stadt ist von Sigtuna über Land in 45 Minuten per Bus/S-Bahn zu erreichen.
Überlandausflüge … immer gerne! Der Bus183 brachte uns nach Kvista, nahtloses Umsteigen in die gutklimatisierte S-Bahn und zack waren wir am Wunschziel. Hach…öffentlicher Nahverkehr kann so schön sein! Uppsala ist eine Universitätsstadt mit langer Geschichte. 20 % der Bevölkerung sind Studierende aus aller Welt. Durch die Stadt fließt der Fluß Fyrisån, an dessen Ufer man, vorbei an historischen Gebäuden und unter schattigen Bäumen, herrlich flanieren oder radeln kann. Uppsala wurde mehrfach zur fahrradfreundlichsten Stadt Schwedens gekürt. Wir frühstückten in einer Konditorei am Flußufer, genossen die leichte Brise und trauten uns trotz gefühlt glühender Hitze auf einen Abstecher ins Stadtzentrum. Da zur Zeit Semesterferien waren ging es ruhig zu. Der langen Svattbäcksgatan folgten wir bis zum Linné-Garten, dem ersten botanischen Garten Schwedens. Carl von Linné lehrte Botanik an der Universität und seine Pflanzensammlung war und ist über die Grenzen hinaus bekannt.
Universitätsbibliothek, Dom, Schloss und Gustavianum … eindeutig zuviel für einen Tag. Wir entschieden uns heute für Dom. Der imposante, 1435 geweihte, gotische Dom ist Nordeuropas größte Kirche. 118,7m ragt er mit seinen beiden Türmen in die Höhe und exakt genauso so lang ist auch das Kirchenschiff. Hier wurde König Gustav I. Wasa 1528 zum König gekrönt, und hier liegt er mit seinen 2 Frauen in einer prachtvollen Kapelle mit beeindruckenden Wandmalereien auch begraben. Imsgesamt ein sehr lohnenswerter Besuch, der einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt!
Aber wie oben erwähnt, hatten wir ja noch nicht alles gesehen was auf unserer Wunschliste stand.
Zwei Tage später -wir hatten uns regeneriert- also nochmal den perfekt abestimmten Nahverkehr genutzt -man könnte auch sagen genossen- und in der ‚Carolina Rediviva‘ der Universitätsbibliothek den im 6.Jhd geschriebenen ‚Codex Argenteus‘, die Silberbibel bestaunt. Sie ist eins der frühesten Schriftzeugnisse der germanischen Sprache und wurde mit silberner Tinte auf purpurnem Papier geschrieben. Es beschleicht einen beim Betrachten ein ehrfürchtiges Gefühl! Szenenwechsel, aber die Ehrfurcht hält an. Das Gustavianum, das ältesten Gebäude der Universität, ist heute ein Museum, in dem man viel über die Geschichte der Stadt Uppsala, die Universität und ihre wissenschaftliche Bedeutung erfährt. In der Kuppel des Gebäudes befindet sich der bekannte Antomiesaal von Olof Rudbeck mit seinen schier senkkrecht aufsteigenden, rundumlaufenden Stehreihen, die jedem Studierenden der Medizin beste Sicht auf den Seziertisch ermöglichen.
Nach soviel Historie und Kultur atmeten wir im Garten des (ebenfalls historischen) Hofcafés tief durch. Ein Käffchen mit Prinzessinnentorte beschleunigte die Erholung, und wir machten uns auf den Rückweg.
Problemlos und pünktlich zurück in Sigtuna ließen wir auf der Fly mit Beinen hoch die wunderbaren Tage Revue passieren.

Drehbrücke auf dem Weg nach Sigtuna

Sigtuna Hafen siehe Titelbild

Erste Eindrücke

Das kleinste Rathaus Schwedens

Sigtunas Glockenturm

Eine der zwei Kirchenruinen

Uppsala

Cafe Linné gegenüber von seinem Botanischen Garten

der Dom

Darin Gustav Wasas Grab

Das Gustavianum – der Turm ist der Hörsaal

Hörsaal innen

Aufschrieb von Anders Celsius von 1722 über die Temperatur und andere Grössen

Relaxen in Sigtuna