Wir waren skeptisch, hatten wir doch noch die enttäuschten Erwartungen an Stockholm letztes Jahr im Kopf. Ein paar Tage wollten wir bleiben, mal gucken …..Doch es kam anders: Faszination vom ersten Augenblick an, Staunen und große Begeisterung hielten uns ganze 2 Wochen in der Stadt. Unser Hafen in Kastrup, einem Vorort von Kopenhagen, gut angebunden an die Metro, 15 Minuten zu radeln bis in die Innenstadt, komfortabel und preisgünstig.
Uns gleich am ersten Tag mit unserer geplanten ‚Habour Cycle Tour’einen Überblick über eine der weltweit führenden Fahrradstädte verschaffen zu wollen stellte sich als kräftezehrendes Unterfangen heraus. Im Strom von hunderten Radlern mitzuradeln und noch die Umgebung betrachten zu wollen…keine Chance. Das Tempo des Radfahrerstroms ist atemberaubend, alle scheinen es hypereilig zu haben. Mal kurz rechts ran und einen Blick zu werfen oder ein Foto zu machen …Fehlanzeige. Gut funktionieren tun allerdings die Handzeichen und alles läuft recht geschmeidig.
Die Lehre daraus: fürs erste eine 4 Tageskarte für die Metro. Das Metrosystem ist sehr übersichtlich. Die Züge fahren fahrerlos. Wie in Japan ist jede Einstiegstür einem verglasten Bereich zugewiesen, der sich zum Ein-/und Ausstieg öffnet. Jeder Zug hat nur 3 Wägen (6 Türen), aber da alle 2,5-4 Minuten einer kommt, gibt es nie Gedränge (zumindest zu unseren Zeiten)
Am ersten Stadttag wanderten wir gemütlich an den Ufern des alten Hafens und der zahllosen Kanäle, die die Stadt durchziehen, entlang. Öffentlicher Raum wird hier priorisiert, die Stadt lebt mit und am Wasser. Badestellen, holzverkleidete Uferflächen, Grünanlagen, Parks und sogar der ein oder andere Friedhof bieten Kopenhagenern kostenlose Anlaufstellen, um beieinander zu sitzen, zu baden, zu spielen, oder es sich mit einem Buch bequem zu machen. Im Hintergrund beeindruckende Architektur, modern aber auch viele alte ehrwürdige Gebäude. Die bekannten Hotspots Nyhaven mit seinen bunten, schiefen Häuschen, kleine Meerjungfrau und das Schloss Amalienborg streiften wir nur. Hier werden nicht nur in der Hauptsaison sondern auch jetzt schon busladungsweise Touristen ausgeladen. Besonders beeindruckend aber ist das Gebäude der Königlichen Bibliothek, der ‚schwarze Diamant‘. Das moderne Gebäude mit seiner schwarzen Glasfassade und seinem faszinierenden Inneren ist gekonnt kombiniert mit dem alten historischen Teil der Bibliothek.
Im Latinerkvarteret am nächsten Tag genossen wir den wunderbaren Kontrast zur Innenstadt. Alte Backsteinbauten, studentisches Flair, viele kleine Cafés und Läden, entschleunigtes Treiben. Gegenüber der alten Universität sogar ein Büchercafé. Überhaupt ist die Atmosphäre in den Cafés maximal entspannt. Man trifft sich, es wird lebhaft geplaudert, Kinderwägen stören nicht, man sitzt am Laptop oder liest ein Buch. Keine Hektik oder übertriebener Konsumzwang.
Den nächsten Tag widmeten wir dem Norden der Stadt dem Stadtteil Nordhavn, einem auf dem alten Hafengelände neu entstandenen Stadtteil, ähnlich der Hamburger Hafencity. Wie auch ein paar Tage später in dem gleichermaßen neu entstandenen Stadtteil Øregrund, interessierte uns das Konzept, wie ein nachhaltiger, durch die Verbindung von Ökologie, Ökonomie und Soziales gestalteter Lebensraum umgesetzt wird. Sehr beeindruckend wie Dänemark das hier gelingt! Zwei lebendige Stadtteile, zwei ‚five minute cities‘.
Zurück nahmen wir den Öffentlichen Nahverkehr auf dem Wasser. Mit dem gelben Boot schipperten wir 1,5 Stunden von Nord nach Süd. Ein Kleiner Zwischenstopp auf dem Streetfood Market im Stadtteil Refshaleøn, der auf einem alten brachliegenden Industriegelände liegt, einem Dschungel alter Industriebauten, in denen sich Galerien, Kunsthandwerker und Theater niedergelassen haben. Ein buntes Fleckchen.
Die nächsten Tage packten wir mutig immer öfter das Rad aus. Mit der nötigen Ortskenntnis waren wir bis zum Schluss immer routinierter unterwegs und entdeckten noch so einige weitere spannende und lebendige Eckchen. Das alte Schlachthofviertel, Vesterbrø und Norrebrø. Alle Viertel haben ihren eigenen Charakter was den Reiz ausmacht, sie zu entdecken. Die Größe der Stadt ist gerade richtig, ohne zu überfordern. Wir freuen uns auf ein nächstes Mal!

Schönes Plätzchen in Kastrup Hafen gefunden

Ansicht Kopenhagen vom Busboot aus

Spannende Architektur

Begrüntes Parkhaus in der Nordstadt…

…mit Spielplatz auf dem Dach

Hoteltürme in der Südstadt

Fahrradstadt

Was in den Kasten alles reingeht

Metrotreppenhaus

Touristadt in Nyhavn

Um die Ecke Blick auf die neue Bibliothek…

…genannt: der schwarze Diamant

Dahinter der alte Teil mit dem Biblitheksgarten, ein Ruhepol zum Leben

die Marmorkirche

Und der Blick auf die Oper

Und zwei Ecken weiter der Innenhof der alten, königlichen Brauerei

Freistaat Christiania muss man als Alt-68er natürlich besuchen

der Foodmarket Reffen war aber netter

Andrere Viertel mit Markthalle

Ehemaliges Schlachthofviertel

Ruhige Plätze

Altstadt

Und entspannen im BuchCafé